Autor Thorsten Gabb

Am 12. September 1942 versenkt U 156 unter Korvettenkapitän Hartenstein 550 Seemeilen von Las Palmas den 19.965 BRT großen Truppentransporter und ehemaligen Cunard-White-Star-Liner "Laconia".

An Bord befanden sich 3000 Mann, davon 463 Mann Besatzung, 286 britische Urlauber, 80 Frauen und Kinder - und 1800 italienische Kriegsgefangene von der Rommel-Front.

Ein Drittel der Überlebenden wurde von Hartenstein und den von Dönitz durch FT an den Katastrophenplatz beorderten Booten der Gruppe Eisbär (U-507 Kplt. Schacht, U 506 Kplt. Würdemann) gerettet.

Sie wurden zum Teil an Bord genommen, zum Teil in den geschleppten Rettungsbooten belassen und versorgt.

Am 16. September wurden die Boote von einem amerikanischen Bomber angegriffen. U 156 wurde trotz der an Bord gezeigten Rot-Kreuz-Flagge das direkte Ziel des Angreifers. Hartensteins Boot, dessen Besatzung ebenso wie die der anderen Boote ihre Flak-Waffen nicht benutzte, wurde so schwer beschädigt, dass es nicht mehr voll einsatzfähig, aber noch maövrierfähig war.

Am 17. September können alle Überlebenden an die von Dönitz über FT zur Hilfeleistung gebetenen französischen Kriegsschiffe der "Admiral Darlan-Flotte" abgegeben werden.

U 156 wurde am 08. März 1943 unter Korvettenkapitän Hartenstein im Mittelatlantik versenkt. Es gab keine Überlebenden.

U 506 wurde am 12. Juli 1943 unter Kplt. Würdemann im Nordatlantik versenkt. Es gab Überlebende.

U 507 wurde am 13. Januar 1943 unter Korvettenkapitän Harro Schacht im Südatlantik versenkt. Keine Überlebenden.

Am gleichen Tag geht unter dem Codewort „Triton Null“ jenes Offiziers-FT an alle Boote, das für die Zukunft allen Kommandanten jede Rettungsaktion verbietet.

Dieser Befehl wurde später in Nürnberg als das Dokument GB 199 der Hauptanklagepunkt gegen Dönitz, dem vorgeworfen wurde, er habe damit den Befehl zum Töten von Schiffbrüchigen gegeben. Zumindest wollte die Anklagebehörde darin den versteckten Befehl zum Erschiessen von Schiffbrüchigen sehen.

Das Haager Abkommen, die Anwendung der Grundsätze der Genfer Konvention auf den Seekrieg vom 18.10.1909 betreffend, legt in Artikel 16 den Kommandanten der Kriegsschiffe die Verpflichtung auf, nach jedem Kampf sich um die Schiffbrüchigen des Gegners zu kümmern "soweit es die militärischen Zwecke gestatten". Diese Feststellung ist in diesem Zusammenhang wichtig, bildete dieser Passus doch einen der Eckpfeiler der deutschen Verteidigung.

Jedenfalls ist nie und nimmer von einer solchen verbrecheriscehn Aufforderung die Rede gewesen. Zwischen "Nichtretten" und "Vernichtung" besteht ein einwandfrei klarer Unterschied. Das Ergebnis der sehr gründlichen Untersuchung der Siegermächte endete in einem Freispruch von jeder Schuld.

Und noch eine Festellung: Rettete der Kommandant des britischen Kreuzers "Dorsetshire" die überlebenden der "Atlantis" oder "Python", nachdem ihm die Anwesenheit eines U-Bootes bekannt war? Er rettete nicht, weil es die militärischen Belange nicht gestatteten.

Und was geschah 1940 im Kanal, als die Luftschlacht um England entbrannt war? Die über dem Kanal eingesetzten Seenotflugzeuge wurden abgeschossen, um die Rettung des fliegerischen Personals abgeschossener oder notgewasserter Bomber/Jäger zu verhindern.

Churchill bekannte später, zu dieser Handlungsweise "unumgänglich aus der Lage heraus" gezwungen worden zu sein.

Natürlich gab es auch die andere Seite der Medaille:

Und zwar hat damals Heinz Eck, Kommandant von U 852, nach der Versenkung des griechischen Frachters „Peleus“ auf Schiffbrüchige schießen lassen – aber er wurde, zusammen mit anderen Mitgliedern seiner Besatzung, nach dem Krieg zum Tode verurteilt.

Dieselben Verbrechen wurden auch von alliierten Kommandanten verübt. Zur Rechenschaft gezogen wurden sie nie, obwohl sie offen zu gaben, Schiffbrüchige ermordet zu haben.

So wie Cpt. Walker, Kommandant einer britischen U-Jagdgruppe:

Er ließ einmal bei der Verfolgung eines U-Bootes Wasserbomben unter die um Hilfe rufenden Überlebenden eines anderen U-Bootes werfen!

O-Ton Cpt. Walker:

„Das Weisse in den Augen der arischen Badegesellschaft war schon zu sehen, als ich den Angriff befahl. Ein schicksalsschwerer Moment – aber das Damoklesschwert hing diesmal nicht über ihren Köpfen, sondern es kam von unten“.